Die Tucson Mineral Show 2009
Wenn sich einmal im Jahr Sammler und Händler aus aller Welt zur Tucson Mineral Show in Arizona treffen, gibt es so gut wie immer viel Interessantes zu berichten. Dieses Jahr mischt sich jedoch unter die Vorfreude auf Neufunde wie die tiefblauen und hochglänzenden Apatite aus Minas Gerais oder magentafarbene Topase auf Quarz von Brumado, Minas Gerais, Brasilien( beides von Luiz Menezes angeboten) auch ein wenig Skepsis was die Umsätze angeht.
Zur Westward Look Show kamen ca. 30 % weniger Besucher als im Vorjahr und an manchen Tagen waren die Parkplätze vor den großen Hotels weniger als halb belegt. Dies veranlasste einige Händler bereits vor der Main Showvom 12-15.2. abzureisen. Ob allein die angespannte Wirtschaftslage an dieser Entwicklung schuld ist, bleibt jedoch fraglich. Die Tendenz ist zum aktuellen Zeitpunkt jedenfalls eindeutig: Die Nachfrage an Mineralien im mittleren Preissegment ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich eingebrochen - für Topstücke finden sich zwar nach wie vor Käufer, doch auch hier ist ein leichter Rückgang bemerkbar.
Von leeren Parkplätzen wieder zurück zu den gefüllten Vitrinen: Gemini Minerals zeigte im Inn Suites aussergewöhnliche Fluorit-Zwillinge aus Naica. Die zwölf im Sommer 2008 gefundenen Kristalle sind bis zu 3 cm lang und wurden letztmals Mitte der 1980er Jahre entdeckt. Auch die Milpillas Mine in Mexiko sorgte für Gesprächsstoff unter den Sammlern: Vergangenes Jahr konnten dort einige sehr beeindruckende Plancheit-Stufen mit Malachit nach Azurit geborgen werden. Eine Überraschung sind zweifelsohne bis zu 2,5 cm große Pearceit Kristalle. Das seltene Silbermineral wurde in der Uchucchacua Mine bei Oyon, Lima, Peru abgebaut und die teils rosenförmigen Gruppen überzeugten durch perfekten Glanz. Ebenfalls aus Peru kommen bis zu 2 cm große und dunkelgraue Scheelit-Kristalle die auf klaren und filigranen Quarz-Gruppen sitzen. Zur Westward Look Show begeisterte Paul Balayer mit einem Olmiit Neufund auf wasserklaren Calcit Kristallen aus der N´Chwaning Mine, Südafrika. Neben diesen waren natürlich auch diverse andere Neufunde und weitere Highlights, wie die violetten und über 2 cm langen Creedit Kristalle aus dem Santa Eulalia District, Chihuahua, Mexiko, zu bestaunen.
Die Mainshow stand dieses Jahr unter dem Motto „Kuriositäten aus dem Mineralreich“ .
Pseudomorphosen von Siderit nach Apatit oder Opal nach Ikait ( CaCO3 6H2O ), ließen keinen Zweifel am Leitthema der Ausstellung. Insgesamt war der Besucherandrang im letztem Jahr zwar größer, was aber sicher auch an einem aussergewöhnlichen Thema lag- wann sonst konnte man die schönsten und edelsten Mineralien aus den 50 wichtigsten Fundgebieten Amerikas an einem Ort bestaunen?
Verkauft wurde eher an Stammkunden und im „High End“-Bereich, die Laufkundschaft blieb großenteils aus. Die Frage ist wie sich dieser Trend der letzten Jahre fortsetzten wird. Einige der wohlhabenden Käufer sehen die Mineralien mittlerweile als eine Art „natürlichen Kunstgegenstand“, die Begeisterung für die Schönheiten der Natur, die man auch im kleinen finden kann, die Fundumstände und auch der wissenschaftliche Aspekt geraten immer mehr in Vergessenheit. Preisgrenzen und auch „Gewissensgrenzen“ scheinen im Mineralienhandel teilweise zu verblassen.
Ein Beispiel auf der Seite von John Veevaert zeigt es drastisch. Eine beschädigte Benitoit Stufe, deren Wert wohl bei etwa 1000 $ liegt ging mit einem Startpreis von 26.000 $ in eine Auktion. Anfänger und den „einfachen“ Mineraliensammler, der gerne auch selbst ab und an Hand an den Fels legt, begeistert diese Entwicklung sicher nicht ! Trotz alledem ist Tucson sicher für jeden eine Reise Wert gewesen, allein schon wegen derzahlreichen Neufunde,den vielen bekannten Gesichternund natürlich der ein oder anderen Party. Wir dürfen aufs nächste Jahr gespannt sein!
Patrick Reith
Viele weitere Fotos und Informationen finden Sie in unserer Tucson 2009 Galerie
oder unter: http://www.mineralshows.com/tucson2009/
oder: http://www.tron-xx.de/Borsenberichte/tucson_2009_1/tucson_2009_1.html




