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Paar_GruberPaar, W.H.; Günther, W. und Gruber, F.:

Das Buch vom Tauerngold

568 S., über 600 Farb- und S/W-Abbildungen, darunter zahlreiche Karten und Grubenpläne. Format 21 x 25 cm, leinengebunden. 2006.
Preis € 50,–

Gold ist ein gewichtiges Metall und das merkt man auch an diesem Buch: Legt man das neue Werk auf den Tisch und nimmt den dezent – um nicht zu sagen "unauffällig" – gestalteten Schutzumschlag ab, so kommt ein "massiver goldgelber Ziegelstein" zum Vorschein. Er wiegt stolze 2,25 Kilo – aber er ist äußerst gehaltvoll!

Bereits einmal, im Dezember 2000, habe ich den seinerzeit erschienenen – und schon wenig später vergriffenen – Vorläufer dieses Werkes, die "Schatzkammer Hohe Tauern", in LAPIS besprochen. Schlägt man das neue "Buch vom Tauerngold" auf, so wird man zwar immer wieder auf Bekanntes stoßen. Dennoch ist das Werk kein Nachdruck, sondern eine vollständig überarbeitete und um volle 160 Seiten erweiterte Neuauflage.

Die Kapitel – nunmehr sechs – sind neu angeordnet, wobei die Geologie- und Geographie-Professoren Höck, Slupetzky und Stocker das Autorenteam unterstützen:

"Die Hohen Tauern im geologischen Überblick" präsentiert – gut verständlich – das erste Kapitel. Hierbei ist topographische "Übersicht" auf Seite 15 gestalterisch allerdings eine echte Zumutung – einfach nur farbiges Augenpulver.

Neu konzipiert hat Co-Autor Slupetzki sein Kapitel über "Tauerngold und Gletschereis", wobei er die Gletschergeschichte mit zusätzlichen historischen und neuen aktuellen Landschaftsfotos belegt. Angesichts des dramatischen Gletscherschwundes in den Alpen. gingen auch neuere Daten des Klimaforschers Professor Nicolussi ein. Slupetzkis Interpretation bleibt allerdings immer noch allzu konservativ: So spielte sich die ostalpine Gletschergeschichte während der letzten 9000 Jahre sicher nicht innerhalb eines Temperaturintervalls von nur 1°C ab (wie Slupetzkis Diagramm auf S. 34 suggeriert). Denn die Baumgrenze schwankte während dieser Zeit um mehr als 300 Höhenmeter, wie Nicolussi und seine Mitarbeiter bereits 2005 bewiesen. Das Kapitel dürfte angesichts der aktuellen Klimadiskussion auch weiterhin brisant bleiben und kontrovers diskutiert werden ...

Die "Montangeologie des Tauerngoldes" beschäftigt sich – als eines der Hauptkapitel des Buches – auf über 100 reich illustrierten Seiten mit der Entstehung und Ausbildung der Alpinen Golderzgänge und all ihrer Mineralien, wobei jedes einzelne Revier mit faszinierenden Details vorgestellt wird: Eine Premiere sind die farbigen Untertage-Fotos und detaillierten Pläne der bislang unbekannten vererzten Karsthöhlen in der Zone Erzwies–Bockhardt im Gasteinertal. Das Ausapern uralter Goldabbaue im Bereich Alteck/Hoher Goldberg und Zirknitz/Wurten beweist, daß der dramatische Gletscherschwund – auch in den Ostalpen – schon jetzt den der "Mittelalterlichen Wärme-periode" übertrifft.

Der in den letzten Jahren auf rekordhohe Werte gestiegene Goldpreis hat die Goldprospektion in verschiedenen Bergbaurevieren der Tauern neu aufleben lassen. Schwerpunkte sind hier die Reviere Rotgülden und Schellgaden ( ®LAPIS 5/1993 + 11/1995), die in den letzten Jahren auch kanadische und australische Explorationsfirmen anzogen.

Dem historischen "Edelmetallbergbau in Salzburg und Oberkärnten" widmen sich die beiden Kapitel 4 und 5. Auf gut 320 Seiten führen sie von den Beschreibungen der ersten Abbaue – ab Ende des 13. Jahrhunderts – bis zu den jüngsten Prospektionsarbeiten von 2002-2006.

Das 6. Kapitel bietet einen kurzen Abriß der "Waschgoldproduktion in Salzburg und Oberkärnten", einschließlich der jüngsten Goldwäscherei rund um Heiligenblut.

Ein 42seitiger Anhang enthält Bergbaudetails, ein großes Literaturverzeichnis, ein nützliches Glossar von Fachausdrücken und ein Gesamtregister, das der "Erstauflage" noch fehlte.

Zu jedem Hauptkapitel existiert eine umfangreiche englische Zusammenfassung und auch sämtliche Bildunterschriften sind zweisprachig deutsch/englisch verfaßt, um den Buch eine internationale Verbreitung zu garantieren.

So ist das neue "Goldbuch" ein absolutes Standardwerk, und es wird seinem Titel voll gerecht: Es ist wirklich "gediegen" verarbeitet und auf hochwertigem Papier gedruckt. Der Preis von 50 Euro ist keinesfalls zu hoch, sondern sogar als Schnäppchen zu betrachten – das Werk wird ebenso wie sein Vorläufer wohl schon bald vergiffen sein!

Hobby-Goldsucher können anhand der zahlreichen exakten Karten und Grubenpläne selbst ins Gelände ziehen, wobei der rapide Gletscherschwund auch am Tauernkamm immer wieder uralte Halden und Goldabbaue freigibt. Das Buch ist generell ein "Muß" für jeden, der gerne in die Ostalpen reist oder sich mit Gold und seiner Herkunft beschäftigt – denn soviele Informa-tionen und Fundstellenhinweise rund um's Thema "Tauerngold" erhält man sonst nirgends!

Stefan Weiß

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